Politik & Förderung · Dossier
Sportförderung in Deutschland 2026: Wer zahlt was, nach welchen Regeln
Der Bund gibt 2026 rund 386,5 Millionen Euro für Sport und Ehrenamt aus, 2027 sollen es 398 Millionen werden. Das Sportfördergesetz verlagert die Förderentscheidungen ab 2027 in eine Spitzensport-Agentur in Leipzig. Die Sporthilfe verteilt jährlich rund 18,5 Millionen Euro an mehr als 4.000 Athleten. Dieses Dossier hält Zahlen, Zuständigkeiten und Fristen fest.
Von Kai Ostermann, Redakteur Sportbusiness, Politik & Förderung
8 Min. Lesezeit
Stand: 11. September 2026. Aktualisierung bei jeder neuen Haushaltsstufe, jedem Gesetzesschritt und jeder Sporthilfe-Bilanz; Änderungsprotokoll am Ende.
1. Die Antwort in drei Zahlen
Der Bund gibt 2026 nach Beschluss des Haushaltsausschusses vom 13. November 2025 386,5 Millionen Euro für Sport und Ehrenamt aus. Für 2027 sieht der Regierungsentwurf vom 6. Juli 2026 398 Millionen Euro vor, davon rund 362 Millionen Euro für den Spitzensport. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe verteilte in den zuletzt bilanzierten zwölf Monaten rund 18,5 Millionen Euro an rund 4.000 Athletinnen und Athleten (Sommer 2025: 16,3 Millionen an 3.302, Winter 2025/26: 2,24 Millionen an 705). Alles andere in diesem Dossier ist Verteilung und Verfahren.
Wer die Sportförderung verstehen will, muss drei Geldgeber trennen: den Bund, der den Spitzensport finanziert; die Länder, die Nachwuchs, Landesverbände und die meisten Sportstätten tragen; und die Sporthilfe, die als private Stiftung mit Bundesanteil direkt an Athleten zahlt. Kommunen sind der vierte, oft größte Geldgeber im Breitensport, aber ihre Ausgaben erfasst niemand zentral. Die Bundesregierung hat das am 31. August 2026 in ihrer Antwort auf eine Anfrage zur Bäderinfrastruktur selbst so beschrieben: Ihr liegen keine eigenen Daten zu Zahl, Zustand und Sanierungsbedarf der Schwimmbäder vor, weil die Bäder kommunal sind.
2. Der Bund: Einzelplan 04 seit 2026
Seit 2025 liegt der Sport nicht mehr beim Innenministerium, sondern bei der Staatsministerin oder dem Staatsminister für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt. Seit dem Haushalt 2026 stehen die Mittel deshalb im Einzelplan 04 (Bundeskanzleramt), Kapitel 0416. Seit dem 3. September 2026 führt Ronald Rauhe das Ressort, Nachfolger von Christiane Schenderlein.
Der Regierungsentwurf 2026 vom August 2025 sah 349,95 Millionen Euro für den Sport vor (2025: 333 Millionen). Die wichtigsten Titel laut Bundestag (hib vom 19. August 2025):
| Titel (Entwurf 2026) | 2026 | 2025 |
|---|---|---|
| Zentrale Maßnahmen auf dem Gebiet des Sports | 222,56 Mio. € | 201,27 Mio. € |
| davon Olympia-/Perspektivkader, WM-Vorbereitung | 54,01 Mio. € | 50,32 Mio. € |
| davon Leistungssportpersonal (Trainer) | 57,46 Mio. € | 58,46 Mio. € |
| davon Olympiastützpunkte und Trainingszentren | 68,70 Mio. € | 58,10 Mio. € |
| Forschungsinstitute IAT und FES | 23,20 Mio. € | 6,89 Mio. € |
| Nicht-olympische Sportarten | 21,48 Mio. € | 13,89 Mio. € |
| Nationale Anti-Doping-Agentur | 10,63 Mio. € | 9,81 Mio. € |
| Sportstätten (Bau und Erhalt) | 48,19 Mio. € | 18,81 Mio. € |
Im parlamentarischen Verfahren wuchs der Ansatz. Der Bundestag nannte am 25. September 2025 357,5 Millionen Euro für den Sport (Drucksache 21/600) und für die Trainerförderung 2,5 Millionen Euro; Abgeordnete rechneten vor, das seien rund 32.000 Euro je Spitzenverband. In der Bereinigungssitzung am 13. November 2025 setzte der Haushaltsausschuss das Kapitel Sport und Ehrenamt auf 386,5 Millionen Euro, rund 27 Millionen über dem Entwurf, darunter 5 Millionen Euro jährlich für das Pilotprogramm „Deutschland lernt Schwimmen“ (20 Millionen Euro 2026 bis 2029) und 920.000 Euro für Athleten Deutschland e.V. (plus 150.000 Euro).
Für 2027 hat das Kabinett am 6. Juli 2026 398 Millionen Euro für Sport und Ehrenamt vorgeschlagen: rund 362 Millionen Euro Spitzensport, rund 27 Millionen Euro Ehrenamt. Die direkte Athletenförderung steigt um 4,5 Millionen auf mehr als 11 Millionen Euro, die Olympiabewerbung erhält 6 Millionen Euro. Der Bundestag hat den Einzelplan 04 am 9. September 2026 in erster Lesung beraten; die Bereinigungssitzung folgt im November.
3. Das Sportfördergesetz und die Spitzensport-Agentur
Das Gesetz zur Regelung der Förderung des Spitzensports und weiterer Maßnahmen gesamtstaatlicher Bedeutung im Sport sowie zur Errichtung der Spitzensport-Agentur (Sportfördergesetz, SpoFöG) hat vier Stufen hinter sich und eine vor sich:
| Stufe | Datum | Ergebnis |
|---|---|---|
| Kabinettsbeschluss | 25. März 2026 | Regierungsentwurf |
| Erste Lesung Bundestag | Mai 2026 (KW 21) | Überweisung an den Sportausschuss |
| Zweite und dritte Lesung | 10. Juli 2026 | 519 Ja, 43 Nein, 0 Enthaltungen (Drs. 21/5921, 21/7006) |
| Eingang Bundesrat | 4. September 2026 | Drucksache 493/26 |
| Plenum Bundesrat | 25. September 2026 | TOP 5 der 1068. Sitzung |
Inhalt nach Angaben von Bundestag und Bundesregierung: Die Spitzensportförderung des Bundes bekommt erstmals eine gesetzliche Grundlage mit Kapiteln zu Verbandsförderung, Athletenförderung, Sportwissenschaft, Stützpunkten, Baumaßnahmen und internationalen Sportgroßveranstaltungen. Die Spitzensport-Agentur wird als Stiftung mit Sitz in Leipzig errichtet und soll 2027 starten. Sie entscheidet über Förderung nach sportfachlichen Kriterien, unabhängig von der Ministerialverwaltung. Ein Stiftungsrat unter Vorsitz des Bundeskanzleramts mit Vertretern von Bundestag, Bundesregierung, Ländern, DOSB und Athletenkommission führt die Aufsicht; das Bundestags-Textarchiv nennt neun Mitglieder, die Bundesregierung zehn. Zwei unabhängige Vorstände führen die Geschäfte, ein Sportfachbeirat berät. Die Potenzialanalyse (PotAS), mit der der Bund seit 2018 Verbände nach Erfolgsaussichten einstuft, wird in die Agentur integriert. Die direkte individuelle Athletenförderung steht erstmals im Gesetz; Athleten erhalten Sitze im Stiftungsrat und im Sportfachbeirat. Ein Safe Sport Center wird Pflicht, der Safe Sport Code ab 1. Januar 2029 Fördervoraussetzung. Die Trainervergütung wird adressiert, ohne Sätze festzulegen.
Kritik kam aus zwei Richtungen. Die Sporthilfe warnte am 24. Juni 2026 vor Doppelstrukturen in der direkten Athletenförderung, weil sie diese Aufgabe bereits mit Bundesmitteln erfüllt. Die Opposition stellte im Bundestag Anträge zu Athletenmitsprache, Transparenzportal, Mutterschutz, einem jährlichen Aufwuchs um zehn Prozent und zur Einbindung des Behindertensports; alle wurden abgelehnt.
Offen ist, wer die Agentur führt. Namen für Stiftungsrat und Vorstand sind nicht bekannt. Wer 2027 Förderung beantragt, tut das voraussichtlich noch nach den alten Verfahren, bis die Agentur arbeitsfähig ist; einen Übergangsplan hat die Bundesregierung nicht veröffentlicht.
4. Die Sporthilfe: Förderkonzept und Zahlen
Die Stiftung Deutsche Sporthilfe fördert Athleten der Bundeskader in drei Teams. Grundförderung nach dem veröffentlichten Förderkonzept: Top-Team 800 Euro im Monat (250 Euro bei Sportförderstelle), Potenzial-Team 700 Euro (150 Euro bei Sportförderstelle), Talent-Team Basisförderung, ausgewählte Talente 200 Euro monatlich über die Nachwuchselite-Förderung der DFL Stiftung. Dazu kommen Programme mit Partnern: Elite-Förderung 400 Euro monatlich für WM-Medaillengewinner in olympischen Einzeldisziplinen (Mercedes-Benz), Paralympische Elite-Förderung 400 Euro (PwC), ElitePlus bis 1.000 Euro monatlich für maximal 18 Monate direkter Olympiavorbereitung (PwC), Sport-Stipendium 300 Euro für Studierende (Deutsche Bank), Ausbildungsförderung bis 300 Euro, Altersvorsorgebeitrag 250 Euro monatlich, Alumni-Stipendium 500 Euro für bis zu drei Jahre nach der Karriere.
Die Bilanzen: Im Leistungsbericht Sommer 2025 (14. Oktober 2025) nennt die Sporthilfe 3.302 geförderte Athleten aus Sommer- und Spielsportarten (373 Top-Team, 1.129 Potenzial-Team, 1.770 Talent-Team), 16,3 Millionen Euro Förderung, davon 11,2 Millionen Euro Bundesanteil, und 215 internationale Medaillen. Für die Wintersaison 2025/26 (23. April 2026): 705 Athleten, 2,24 Millionen Euro, davon 788.000 Euro vom Bund, 139 Medaillen. Nationaler Förderer sind unter anderem die Deutsche Telekom, die ihr Engagement im Juli 2026 verlängert hat, und PwC. Aufsichtsratsvorsitzender ist Christian Seifert, der Vorstand besteht seit 1. September 2026 aus Max Hartung, Karin Orgeldinger und Tanja Hettel.
Mit dem Haushalt 2027 will die Sporthilfe die Grundförderung in Top- und Potenzial-Team anheben und neue Sportarten für Los Angeles 2028 aufnehmen. Wie sich das Verhältnis von Bundesanteil und privaten Mitteln dadurch verschiebt, weist die Stiftung erst in der nächsten Bilanz aus.
5. Die Länder
Die 16 Länder fördern Landessportbünde, Landesfachverbände, Nachwuchs, Olympiastützpunkte (anteilig) und Sportstätten. Eine vergleichbare Übersicht der Landesausgaben veröffentlicht die Sportministerkonferenz nicht; dieses Dossier trägt sie in einer eigenen Auswertung nach (Cluster Landesförderung im Vergleich, in Arbeit). Zwei Vorgänge sind 2026 belegt: Nordrhein-Westfalen hat zum 1. Januar 2026 ein landesweit einheitliches Vergütungsmodell für Trainer im Nachwuchsleistungssport eingeführt, Eingruppierung nach Qualifikation, Tarifanbindung, Mehrkosten trägt das Land; Beträge nennt die Sportstiftung NRW nicht. Und Bayern hat am 9. September 2026 eine Bundesratsentschließung eingebracht, die die steuerlichen Grenzen für Vereine von 50.000 auf 100.000 Euro anheben will.
Die Sportministerkonferenz unter Vorsitz Baden-Württembergs (Ministerin Theresa Schopper) tagt am 15. und 16. Oktober 2026 in Konstanz. Nach dem Sportfördergesetz sitzen die Länder im Stiftungsrat der Spitzensport-Agentur; wie viele Sitze, ist eine der Fragen für die Bundesratsberatung am 25. September.
6. Olympiabewerbung
Der DOSB wählt am 26. September 2026 in Baden-Baden zwischen Berlin, KölnRheinRuhr und München den deutschen Kandidaten für Spiele 2036, 2040 oder 2044; Hamburg ist nach dem Referendum ausgeschieden. Der Bund unterstützt das Verfahren seit der politischen Vereinbarung vom 4. Dezember 2025 und plant 6 Millionen Euro für 2027. Was eine Bewerbung und die Spiele kosten würden, hat keine der drei Regionen in geprüfter Form veröffentlicht; die Zahlen in den Konzepten stammen von den Bewerbern selbst.
7. Fristen bis Frühjahr 2027
| Datum | Was |
|---|---|
| 23. September 2026 | 30. Sitzung des Sportausschusses des Bundestages |
| 25. September 2026 | Bundesrat: Sportfördergesetz (TOP 5), Vereinssteuer-Entschließung Bayerns |
| 26. September 2026 | DOSB wählt Olympia-Kandidaten, Baden-Baden |
| 15./16. Oktober 2026 | Sportministerkonferenz, Konstanz |
| November 2026 | Bereinigungssitzung Haushaltsausschuss (Haushalt 2027) |
| 5. Dezember 2026 | DOSB-Mitgliederversammlung: Präsidiumswahl, Safe Sport Code 3. Auflage |
| 1. Januar 2027 | Geplanter Start der Spitzensport-Agentur |
| 1. Januar 2029 | Safe Sport Code wird Fördervoraussetzung |
Was das für Entscheider heißt
Wer 2027 Bundesmittel will, verhandelt an zwei Orten gleichzeitig: im Haushaltsausschuss bis November über die Summe und in der Besetzung der Spitzensport-Agentur über die Verteilung. Die Gesamtsumme ist politisch entschieden, der Verteilschlüssel wird es erst mit den ersten Beschlüssen der Agentur. Verbände sollten ihre PotAS-Kennzahlen, ihre Schutzkonzepte und ihre Trainerstellen jetzt so dokumentieren, dass eine neue Behörde sie ohne Vorgeschichte lesen kann. Sponsoren der Sporthilfe sollten wissen, dass der Bundesanteil steigt, und Länder, die beim Trainergehalt hinter NRW zurückbleiben, werden ihre Trainer an NRW verlieren.
Kurz gesagt: 398 Millionen Euro Bund, 18,5 Millionen Sporthilfe, und ab 2027 entscheidet eine Agentur in Leipzig, nicht mehr ein Ministerium.
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Änderungsprotokoll
- September 2026: Erstfassung. Landesförderung im Vergleich folgt als eigener Cluster-Beitrag; Namen für Stiftungsrat und Vorstand der Spitzensport-Agentur werden nachgetragen, sobald sie veröffentlicht sind.
Quellen
- Deutscher Bundestag, hib: Haushalt 2026: Mehr Geld für den Spitzensport eingeplant (Regierungsentwurf, Einzelposten), 19. August 2025(19. August 2025)Primärquelle
- Deutscher Bundestag, hib: 357,5 Millionen Euro sind 2026 für den Sport eingeplant, 25. September 2025(25. September 2025)Primärquelle
- Deutscher Bundestag, hib: Etat 2026: Millionenplus für Kultur und Sport (Bereinigungssitzung 13. November 2025)(13. November 2025)Primärquelle
- Bundesregierung: Bundeskabinett beschließt Bundeshaushalt 2027, Rekordansatz für Sport und Ehrenamt, 6. Juli 2026(6. Juli 2026)Primärquelle
- Deutscher Bundestag: Bundestag stimmt über das Sportfördergesetz ab, 10. Juli 2026(10. Juli 2026)Primärquelle
- Bundesregierung: Sportfördergesetz im Deutschen Bundestag beschlossen(10. Juli 2026)Primärquelle
- Bundesrat: Tagesordnung 1068. Sitzung, 25. September 2026, TOP 5 Sportfördergesetz (493/26)(11. September 2026)Primärquelle
- Deutsche Sporthilfe: Leistungsbericht Sommer 2025, 14. Oktober 2025(14. Oktober 2025)
- Deutsche Sporthilfe: Bilanz der Wintersaison 2025/2026, 23. April 2026(23. April 2026)
- Deutsche Sporthilfe: Das Förderkonzept(11. September 2026)
- Deutsche Sporthilfe: Bundeshaushalt 2027 stärkt Athletenförderung deutlich, 7. Juli 2026(7. Juli 2026)
- Sportstiftung NRW: Nerius lobt neue Trainervergütung in NRW, 21. August 2026(21. August 2026)
- Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg: Sportministerkonferenz(11. September 2026)Primärquelle
- DOSB: Wissen: Olympiabewerbung(11. September 2026)
- Deutscher Bundestag: Antwort der Bundesregierung, Schwimmfähigkeit der Bevölkerung und Bäderinfrastruktur, Drucksache 21/7807, 31. August 2026(31. August 2026)Primärquelle