Trainer & Manager · Dossier
Trainer und Manager im deutschen Sport 2026: Rollen, Verträge, Wechsel, Ausbildung
Wer Kader, Trainer und Etats verantwortet, heißt je nach Organisation Sportdirektor, Sportvorstand oder Geschäftsführer Sport. Dieses Dossier trennt die Rollen, dokumentiert die belegten Verträge und Wechsel des Jahres 2026, beschreibt die Ausbildungswege (Pro Lizenz, Diplom-Trainer) und hält fest, was über Vergütung belegt ist und was nicht.
Von Juliane Wendt, Redakteurin Vereine, Verbände, Trainer & Personalien
8 Min. Lesezeit
Stand: 11. September 2026. Aktualisierung bei jedem belegten Wechsel, jeder Lehrgangsmeldung und jeder Vergütungsentscheidung; Änderungsprotokoll am Ende.
1. Die Antwort in einem Absatz
Trainer und Manager sind die Entscheider mit den kürzesten Amtszeiten im Sport. 2026 belegen drei Verbände und eine Liga, wie diese Ämter besetzt und beendet werden: Der Deutsche Eishockey-Bund trennte sich am 5. Juni von seinem Bundestrainer und bestellte am 27. August einen Nachfolger mit Vierjahresvertrag; der DFB regelte am 24. Juli die Nachfolge seines Geschäftsführers Sport zum 1. Januar 2027; die DFL schuf zum 1. Juli einen eigenen Sportdirektor. Ausgebildet werden Trainer im Fußball über die Pro Lizenz (17 Teilnehmer 2026) und in den olympischen Sportarten über die Trainerakademie Köln. Über Gehälter ist nichts belegt; belegt sind die Bundesmittel für Leistungssportpersonal und das neue NRW-Vergütungsmodell.
2. Rollen: Wer was entscheidet
Die Bezeichnungen folgen der Rechtsform, nicht der Aufgabe. Ein Sportdirektor ist in einem eingetragenen Verein oder Verband die Leitung des sportlichen Bereichs unterhalb des Vorstands: beim DEB Christian Künast, bei der DFL seit 1. Juli 2026 Benjamin Schmedes, beim DFB Rudi Völler für die Männer-Nationalmannschaft. Ein Sportvorstand ist Mitglied des Vorstands einer Aktiengesellschaft oder KGaA und trägt Organverantwortung, wie sie das Aktiengesetz vorsieht. Ein Geschäftsführer Sport ist Organ einer GmbH: beim DFB Andreas Rettig, ab 2027 Per Mertesacker, zuständig für Nationalmannschaften und Akademie.
Für Sponsoren und Berater ist die Unterscheidung praktisch: Organmitglieder unterschreiben Verträge und haften, Sportdirektoren empfehlen. Wer mit einem Klub über einen Ausrüstervertrag oder mit einem Verband über eine Kaderentscheidung spricht, sollte wissen, wer am Tisch unterschreiben kann.
Bundestrainer sind eine eigene Kategorie: Angestellte des Verbands mit befristeten Verträgen, deren Beginn und Ende der Verband öffentlich macht. Das macht sie zur bestdokumentierten Trainergruppe des Landes.
3. Verträge: Was 2026 belegt ist
| Organisation | Person | Amt | Vertrag | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| DEB | André Rankel | Bundestrainer Männer | ab 1. September 2026, vier Jahre | DEB, 27. August 2026 |
| DEB | Harold Kreis | Bundestrainer Männer | 15. März 2023 bis 5. Juni 2026, ursprünglich bis Saison 2026/27, einvernehmlich beendet | DEB, 5. Juni 2026 |
| DFB | Per Mertesacker | Geschäftsführer Sport | ab 1. Januar 2027, Laufzeit nicht genannt | DFL/bundesliga.com, 24. Juli 2026 |
| DFB | Andreas Rettig | Geschäftsführer Sport | bis 31. Dezember 2026 | DFL/bundesliga.com |
| DFL | Benjamin Schmedes | Sportdirektor | ab 1. Juli 2026 | DFL, 28. Mai 2026 |
Der Fall Kreis zeigt das Muster einer Trennung im Verband: Der Vertrag lief noch ein Jahr, die Begründung war sportlich („Stagnation in der Entwicklung“, so Sportdirektor Künast), die Form einvernehmlich, die Abfindung nicht genannt. Der Fall Rankel zeigt das Muster einer Neubesetzung: Entscheidung durch Vorstand und Sportkommission, Vierjahresvertrag über die Heim-WM 2027 hinaus, ein Kandidat ohne Cheftrainer-Erfahrung im Männerbereich, dafür mit Verbandsbindung als U18-Bundestrainer. Vertragslaufzeiten von Bundesliga-Cheftrainern nimmt dieses Dossier nur auf, wenn der Klub sie nennt.
4. Wechselchronik 2026
| Datum | Wechsel |
|---|---|
| 28. Mai 2026 | DFL schafft die Position Sportdirektor, Besetzung mit Benjamin Schmedes zum 1. Juli |
| 5. Juni 2026 | DEB und Harold Kreis beenden die Zusammenarbeit |
| 24. Juli 2026 | DFB bestellt Per Mertesacker zum Geschäftsführer Sport ab 2027, Nachfolger von Andreas Rettig |
| 27. August 2026 | DEB bestellt André Rankel zum Bundestrainer |
| 1. September 2026 | Rankel im Amt; Tanja Hettel Vorstand Marketing der Sporthilfe |
Die Chronik zählt ab Juni 2026 und wächst mit jeder Personalie der Serie „Wechsel an der Spitze“. Eine Statistik über Trainerwechsel je Saison legt dieses Haus vor, sobald die Chronik zwölf Monate umfasst; bis dahin nennen wir keine Häufigkeiten.
5. Ausbildung: Pro Lizenz, Diplom-Trainer, Führungs-Akademie
Im Fußball ist die DFB Pro Lizenz die höchste Stufe des Lizenzsystems und Voraussetzung für Cheftrainer in den Profiligen. Der 72. Lehrgang startete im Januar 2026 mit 17 Teilnehmern, darunter drei aus der Frauen-Bundesliga; er dauert zwölf Monate am DFB-Campus in Frankfurt am Main mit nationalen und internationalen Hospitationen, Klubpraktika und Persönlichkeitsmodulen. Lehrgangsleiter ist Arno Michels, Co-Leiter Markus Reiter, Abteilungsleiter Trainerentwicklung Markus Nadler. Die Pro Lizenz ist die reformierte Nachfolgerin der Fußball-Lehrer-Ausbildung.
In den olympischen Sportarten ist das Diplom-Trainer-Studium der Trainerakademie Köln des DOSB der höchste Abschluss: drei Jahre, Abschluss „Diplom-Trainer des DOSB“ und „staatlich geprüfter Trainer des Landes Nordrhein-Westfalen“, optional ein Bachelor. Absolventenzahlen veröffentlicht die Akademie nicht.
Für Manager und Verbandsführung bietet die DOSB Führungs-Akademie Lehrgänge an; das Herbstprogramm 2026 ist seit 11. September veröffentlicht, der Landessportverband Baden-Württemberg verweist seine Verbände darauf. Sportmanagement-Studiengänge an Hochschulen führt dieses Dossier im Cluster Ausbildungswege nach.
Die drei Wege unterscheiden sich in einem Punkt, der für Verbände zählt: Die Pro Lizenz ist eine Verbandslizenz und Zulassungsvoraussetzung, das Diplom der Trainerakademie ein staatlich anerkannter Abschluss, die Führungs-Akademie ein Fortbildungsangebot ohne Zulassungswirkung. Wer eine Stelle ausschreibt, sollte angeben, welche der drei Qualifikationen er verlangt; das NRW-Vergütungsmodell gruppiert genau danach ein.
6. Vergütung: belegt und nicht belegt
Belegt ist die öffentliche Seite. Der Bund plante im Entwurf 2026 57,46 Millionen Euro für Leistungssportpersonal (2025: 58,46 Millionen) und 2,5 Millionen Euro für die Förderung von Trainern; Abgeordnete rechneten das im Haushaltsverfahren auf rund 32.000 Euro je Spitzenverband um und nannten 14 Millionen Euro als Bedarf für konkurrenzfähige Gehälter. Der Regierungsentwurf 2027 führt die Trainer-Offensive als Schwerpunkt, ohne den Betrag in der Pressemitteilung zu nennen. Das Sportfördergesetz adressiert die Trainervergütung, legt aber keine Sätze fest. Nordrhein-Westfalen hat zum 1. Januar 2026 ein landesweit einheitliches Vergütungsmodell für Trainer im Nachwuchsleistungssport eingeführt: Eingruppierung nach Qualifikation, Tarifanbindung, Mehrkosten trägt das Land; Beträge und Stellenzahl sind nicht veröffentlicht.
Nicht belegt ist die private Seite. Kein Bundesligist, keine Liga und kein Verband veröffentlicht Trainer- oder Managergehälter. Was in der Fachpresse steht, sind Schätzungen; sie stehen hier nicht. Wer Zahlen will, findet sie in Jahresabschlüssen der Kapitalgesellschaften im Bundesanzeiger, wenn dort Organbezüge ausgewiesen sind, oder in Gerichtsurteilen. Dieses Dossier nennt Gehälter erst, wenn eine dieser Quellen sie trägt.
7. Nachwuchs: Eliteschulen, Internate, Fortbildung
Trainer im Nachwuchsleistungssport arbeiten an Eliteschulen des Sports, in Sportinternaten und an Olympiastützpunkten. DOSB und Sparkassen-Finanzgruppe zeichnen jährlich eine „Eliteschule des Jahres“ aus, 2025 die Eliteschule Klingenthal in Sachsen mit dem Sportcampus, dem Internat und dem Standort des Olympiastützpunkts Sachsen, dotiert mit 10.000 Euro (Bekanntgabe 10. September 2026). DOSB-Vorstand Leistungssport Olaf Tabor begründete die Wahl mit dem Umgang der Schule mit neuen olympischen Sportarten. Das Sportinternat Leverkusen leitet Steffi Nerius, deren Bewertung des NRW-Vergütungsmodells die Sportstiftung NRW veröffentlicht hat. Der Landessportverband Baden-Württemberg hat am 7. September 2026 seine Fortbildungen im Nachwuchsleistungssport um Formate erweitert, die neben Trainern auch Athleten und Eltern ansprechen; nach Angaben des Verbandes zeigen die Anmeldezahlen hohen Bedarf. Für Verbände ist das der Hinweis, dass Trainerbindung im Nachwuchs an drei Stellen entschieden wird: Vergütung, Standort und Qualifizierung.
8. Prüfliste für Verbände und Klubs bei Trainer- und Managerverträgen
Aus den belegten Fällen des Jahres 2026 lassen sich sechs Punkte ableiten, die in jedem Vertrag geregelt sein sollten: die Laufzeit im Verhältnis zum nächsten Großereignis (der DEB hat den Vertrag über die Heim-WM 2027 hinaus auf vier Jahre gelegt); die Zuständigkeit für die Entscheidung (beim DEB Vorstand und Sportkommission, beim DFB Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung); die Bezeichnung des Amtes und damit die Organstellung; die Regeln für eine vorzeitige Trennung, die im Fall Kreis einvernehmlich erfolgte, ohne dass die Konditionen veröffentlicht wurden; die Kommunikation von Beginn, Ende und Nachfolge, die bei DEB und DFB jeweils am Tag der Entscheidung erfolgte; und die Frage, ob und wann Vergütung veröffentlicht wird. Keiner der vier Fälle nennt eine Vergütung; das ist die Regel, und sie bleibt es, solange niemand damit anfängt.
9. Was Verbände und Klubs 2026 ändern
Drei Entwicklungen verändern den Markt für Trainer und Manager. Erstens die Spitzensport-Agentur: Ab 2027 entscheidet eine Stiftung über die Mittel für Leistungssportpersonal; Verbände müssen ihre Trainerstellen dann gegenüber einer neuen Instanz begründen. Zweitens die Tarifbindung in NRW: Ein Land zahlt nach Qualifikation, die anderen werden bei der Sportministerkonferenz am 15. und 16. Oktober 2026 gefragt werden, ob sie folgen. Drittens die Professionalisierung der Ligen: Die DFL hat mit dem Sportdirektor eine Funktion geschaffen, die zuvor in den Klubs lag; was sie entscheidet, wird sich an den ersten Beschlüssen zeigen.
Was das für Entscheider heißt
Verbände sollten Bundestrainerverträge mit dem Zyklus ihrer Großereignisse synchronisieren, wie es der DEB mit der Heim-WM 2027 und einem Vierjahresvertrag getan hat; ein Vertrag, der mitten in einem Olympiazyklus endet, wird zur Personalie im falschen Moment. Klubs, die Trainergehälter geheim halten, verlieren das Argument gegen Fachpresse-Schätzungen; wer Zahlen nennt, kontrolliert sie. Landesfachverbände außerhalb NRWs sollten ihre Sportminister vor Konstanz fragen, was das NRW-Modell im eigenen Land kosten würde. Und wer einen Sportdirektor sucht, sollte klären, ob er eine Empfehlungs- oder eine Organfunktion besetzt.
Kurz gesagt: Ämter und Verträge sind belegbar, Gehälter nicht, und ab 2027 zahlt eine Agentur.
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.
Änderungsprotokoll
- September 2026: Erstfassung. Trainerwechsel-Statistik ab Juni 2027, Sportmanagement-Studiengänge und Bundesanzeiger-Auswertung zu Organbezügen folgen.
Quellen
- Deutscher Eishockey-Bund: DEB stellt André Rankel als neuen Bundestrainer vor, 27. August 2026(27. August 2026)
- Deutscher Eishockey-Bund: Deutscher Eishockey-Bund und Harold Kreis gehen getrennte Wege, 5. Juni 2026(5. Juni 2026)
- Bundesliga.com (DFL): Per Mertesacker ist neuer DFB-Geschäftsführer Sport, 24. Juli 2026(24. Juli 2026)
- DFL / Bundesliga Gruppe: Strukturelle Neuordnung der DFL-Gruppe (Sportdirektor Benjamin Schmedes ab 1. Juli 2026), 28. Mai 2026(28. Mai 2026)
- DFB: 17 Teilnehmer*innen beim DFB Pro Lizenz-Lehrgang 2026, 20. Januar 2026(20. Januar 2026)
- Trainerakademie Köln des DOSB: Diplom-Trainer-Studium(11. September 2026)
- Landessportverband Baden-Württemberg: Herbstprogramm der DOSB Führungs-Akademie veröffentlicht, 11. September 2026(11. September 2026)
- Sportstiftung NRW: Nerius lobt neue Trainervergütung in NRW, 21. August 2026(21. August 2026)
- Deutscher Bundestag, hib: Haushalt 2026: Mehr Geld für den Spitzensport eingeplant (Leistungssportpersonal 57,46 Mio. Euro), 19. August 2025(19. August 2025)Primärquelle
- Deutscher Bundestag, hib: 357,5 Millionen Euro sind 2026 für den Sport eingeplant (Trainerförderung 2,5 Mio. Euro), 25. September 2025(25. September 2025)Primärquelle
- Bundesregierung: Bundeskabinett beschließt Bundeshaushalt 2027 (Trainer-Offensive), 6. Juli 2026(6. Juli 2026)Primärquelle
- Bundesregierung: Sportfördergesetz im Deutschen Bundestag beschlossen (Trainervergütung adressiert)(10. Juli 2026)Primärquelle
- DFB: Präsidium (Geschäftsführung, Vizepräsidenten)(11. September 2026)
- DOSB: Klingenthal ist Eliteschule des Jahres 2025, 10. September 2026(10. September 2026)
- Landessportverband Baden-Württemberg: LSVBW erweitert sein Fortbildungsangebot im Nachwuchsleistungssport, 7. September 2026(7. September 2026)